Filmkritik Stuttgarter Zeitung
15 Minuten Ruhm
Rupert Koppold 2001, veröffentlicht am 17.09.2001
"Ich liebe Amerika, niemand ist hier für das verantwortlich, was er tut!" So jubelt in diesem Thriller der tschechische Verbrecher Emil Slovak (Karel Roden). In einer Talkshow hat er gerade gesehen, wie ein Mörder, der wegen angeblicher Unzurechnungsfähigkeit zur Tatzeit bald nach seiner Verurteilung freigelassen wurde, sich zum Opfer erklärt. Ein inspirierendes Vorbild für Emil und seinen russischen Kumpel Oleg (Oleg Taktarov): die beiden werden sich Eddie Flemming (Robert de Niro), den besten Polizisten New Yorks, schnappen, vor laufender Videokamera töten, das Band an die Fernsehnachrichten verkaufen, sich als verrückt ausgeben und bald darauf frei, reich und berühmt sein.
Amerika, so suggeriert es dieser Film, geht vor die Hunde, weil es zu viel nach Erklärungen sucht, weil diese Erklärungen zu Entschuldigungen und schließlich zu Entschuldungen werden. Und die Psychiatrie, die Justiz und die Medien dienen in diesem Prozess schon lange nicht mehr dem Guten und Wahren, sie sind inzwischen mehr oder weniger willige Helfer des Bösen geworden.
Große Thesen sind das. Thesen, die der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent John Herzfeld in eine Geschichte verpacken will. Aber weil er immer so Bedeutendes sagen will, hat Herzfeld keinen Blick für die kleinen Dinge. Kleine Dinge etwa, die aus einer Figur einen Charakter machen könnten. Sehr notdürftig drückt Herzfeld seinen Figuren Emil, Oleg, Eddie und dem jungen Feuerwehrdetektiv Jordy (Edward Burns) genretypische Verhaltensweisen auf. Sie sind ja nur zu Demonstrationszwecken da in diesem Thesenstück. Und dieses wird zum Pamphlet, es führt vor, wie das Gesetz Polizisten bei der Arbeit behindert und Verbrecher schützt, es filmt sich nahe heran an den Mann, der rot sieht, also nahe heran an die Selbstjustiz.
Als Thriller aber wird die Geschichte, die in entscheidenden Momenten lieber nicht über sich nachdenkt, sondern auf Action setzt, immer unbeholfener, ja, man kann bei der letzten halben Stunde, in welcher sie nach einem Schluss sucht, schon von einem dramaturgischen Desaster sprechen. Bleibt also nur dieses Fazit: John Herzfeld hat keinen Film über verwirrende Zustände gedreht, sondern einen verwirrten Film.
Amerika, so suggeriert es dieser Film, geht vor die Hunde, weil es zu viel nach Erklärungen sucht, weil diese Erklärungen zu Entschuldigungen und schließlich zu Entschuldungen werden. Und die Psychiatrie, die Justiz und die Medien dienen in diesem Prozess schon lange nicht mehr dem Guten und Wahren, sie sind inzwischen mehr oder weniger willige Helfer des Bösen geworden.
Große Thesen sind das. Thesen, die der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent John Herzfeld in eine Geschichte verpacken will. Aber weil er immer so Bedeutendes sagen will, hat Herzfeld keinen Blick für die kleinen Dinge. Kleine Dinge etwa, die aus einer Figur einen Charakter machen könnten. Sehr notdürftig drückt Herzfeld seinen Figuren Emil, Oleg, Eddie und dem jungen Feuerwehrdetektiv Jordy (Edward Burns) genretypische Verhaltensweisen auf. Sie sind ja nur zu Demonstrationszwecken da in diesem Thesenstück. Und dieses wird zum Pamphlet, es führt vor, wie das Gesetz Polizisten bei der Arbeit behindert und Verbrecher schützt, es filmt sich nahe heran an den Mann, der rot sieht, also nahe heran an die Selbstjustiz.
Als Thriller aber wird die Geschichte, die in entscheidenden Momenten lieber nicht über sich nachdenkt, sondern auf Action setzt, immer unbeholfener, ja, man kann bei der letzten halben Stunde, in welcher sie nach einem Schluss sucht, schon von einem dramaturgischen Desaster sprechen. Bleibt also nur dieses Fazit: John Herzfeld hat keinen Film über verwirrende Zustände gedreht, sondern einen verwirrten Film.
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