Leonberg
"Wer hot's erfunden?"
Zehn Kinder tanzen als zarte Regentropfen leichtfüßig durch den Raum, werden zu laut trampelnden Donnerschlägen, verebben zu sanft fallendem Schnee und rasen schließlich wie der Sturmwind durch den großen Raum. Jeden Freitag steht seit bald einem Jahr im Kindergarten Mammutzahn für insgesamt 30 Kinder, die sich auf drei Gruppen verteilen, das Programm „Singen – Bewegen – Sprechen“ (SBS) auf dem Plan. „Juhu, Rhythmik!“ freuten sich die Kinder jeden Freitag, erzählt Erzieherin Swantje Österreicher, die die Stunde gemeinsam mit Barbara Hernandez von der Jugendmusikschule leitet und dafür auch eine Fortbildung gemacht hat. Es gehört zu den Prinzipien des im Oktober 2010 gestarteten Programms, dass jeweils eine Erzieherin (oder ein Erzieher) und eine ausgebildete musikpädagogische Fachkraft die Kinder im „Tandem“ unterrichten. So sei die Einbindung der jeweils im Kindergarten behandelten Themen ebenso gewährleistet wie die musikpädagogische Qualität der SBS-Stunde, sagt Sibylle Lützner, die Leiterin der Leonberger Jugendmusikschule.
An diesem Freitag sind nicht nur die zehn Fünf- und Sechsjährigen begeistert dabei, als Barbara Hernandez sie dazu auffordert, mit dem Tamburin den Schnee- oder Regenfall, den Sturm und den Donner nachzuempfinden und die Lieder mitzusingen. Mit von der Partie sind auch Sibylle Lützner, die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz und eine junge Kamerafrau vom Fernsehen. Grund für den ungewöhnlichen Andrang im Kindergarten Mammutzahn ist der Besuch von Kurtz, die unter der Überschrift „‘Förderprogramm Singen – Bewegung – Sprechen‘ wird nicht weitergeführt“ auch die Presse zu ihrem Besuch eingeladen hatte. Zuletzt kritisierte die CDU vor allem, dass die rot-grüne-Landesregierung die von der CDU vorgesehene Ausweitung des Projektes von Kindergärten auf Grundschulen unter den Tisch fallen lassen wolle. „Damit fehlt die angestrebte Verzahnung von Kindergärten und Grundschulen. Die Wirkung des Programms beschränkt sich damit rein auf die frühkindliche Förderung“, so Sabine Kurtz
Allerdings war von Ihrer Vorgängerregierung selbst kein Euro in die mittelfristige Finanzplanung dafür eingestellt worden, wie Grün-Rot dagegenhält. Auch wenn am Förderprogramm längst nicht alle Kindertageseinrichtungen des Landes teilnehmen können, kommen in Leonberg doch immerhin 225 Kindergartenkinder in den Genuss der heiteren Stunde. Und alle anwesenden Frauen sind sich einig, dass das Programm für all diese Kinder ein echter Gewinn ist und dass es bedauerlich sei, dass SBS nicht an den Grundschulen weitergeführt werden soll. Allerdings betrachten die Erzieherinnen und Musikpädagoginnen es auf der anderen Seite als große Verbesserung, dass in Zukunft das Programm auf möglichst viele Kindergärten ausgeweitet werden und zudem ein Jahr früher beginnen soll. „Ich bin sehr optimistisch, dass für uns alles so weitergeht wie bisher und finde eine flächendeckende Verbreitung, die alle Kinder erreicht, absolut richtig“, meint die Kindergartenleiterin Bärbel Feldmeier.
Für ihre Hoffnung gibt es durchaus Grundlagen. So erklärt Heinrich Korthöber, Geschäftsführer des Landesverbandes der Musikschulen, die Philosophie der neuen Landesregierung, die sich eine „Harmonisierung der Förderung“ wünsche und mit dem erfolgreichen SBS-Programm möglichst viele Kinder erreichen wolle. Unter dem Dach der Sprachförderung, die sich die Landesregierung auf die Fahnen geschrieben hat, solle SBS fortgeführt werden. Kultusstaatssekretär Frank Metrup (SPD) hat kürzlich bestätigt, dass „das wertvolle musikpädagogische Förderprogramm allen Kindergartenkindern zugänglich“ gemacht werden soll, die eine Förderung brauchen, und das landesweit vom ersten Kindergartenjahr an. In den nächsten Wochen soll das erweiterte Angebot im Detail geregelt werden und zum neuen Kindergartenjahr sollen die Antragsverfahren vorliegen.
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