The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

Kurzbehost gegen die Krise

Ulrich Kriest, veröffentlicht am 26.01.2012
Filmbeschreibung
Wer seinen Alltag in einem Ferienparadies verbringen darf, hat vielleicht Glück gehabt, aber trotzdem einen Alltag mit Verpflichtungen. Leuten, die so naiv sind zu denken, dass es sich auf Hawaii sorgenfrei lebt, schmettert Matt King gleich zu Beginn von "The Descendants" ein grimmiges "Paradise can go fuck itself" entgegen. Jedenfalls in der Originalfassung. Matt King, ein Mann in den besten Jahren, hat Grund zur Klage: Seine Ehefrau liegt nach einem Bootsunfall im Koma, darum muss sich der Mann mit dem sprechenden Namen nicht nur um seine Geschäfte, sondern auch um seine Töchter Scottie und Alex kümmern. Zudem hat die ältere Tochter Alex noch eine Über­raschung für ihren Vater in petto: Die Mutter hat seit Längerem ein Verhältnis gehabt und hat sich von Matt trennen wollen.

Der Regisseur Alexander Payne zeichnet die Geschichte von der Überforderung eines mittelmäßigen Mannes in bunten Hawaiihemden und kurzen Hosen als letztlich versöhnliche Tragikomödie mit bissigen Momenten und sentimentalem Grundton. King hat alle Hände voll zu tun, um wieder Ordnung in das Chaos zu bringen, in das sich sein Alltag verwandelt hat. Dabei stehen wichtige Entscheidungen an: Wie lange soll die Verunglückte künstlich am Leben gehalten werden? Wie bringt man den Freunden die traurige Nachricht bei? Was ist das für ein Mann, mit dem die Ehefrau ein Verhältnis gehabt hat? Matt King begibt sich auf die Suche, und letztlich ist diese Suche eine Suche nach sich selbst.

Dieser Suche zuzuschauen ist durchaus reizvoll – und spätestens, wenn es zum Showdown zwischen King und dem Liebhaber Brian Speer (Matthew Lillard) kommt, einem wahrscheinlich noch mittelmäßigeren Immobilienmakler, beginnt man zu ahnen, was für ein furchtbar entfremdetes Leben Matt vor dem Unfall seiner Frau geführt haben muss.

George Clooney, der seine darstellerische Begrenzungen in der Regel durch enervierende Coolness-Variationen ("The American") wettzumachen sucht, füllt die Rolle des hilflos rudernden Mittelmaßes bestens aus. Dass am Schluss ­alles recht mühelos ins Lot kommt, weil jemand mit Vermögen auch schon mal ein Geschäft sausen lassen kann und die befriedete Restfamilie sich unter einer großen Wolldecke zur Lieblingseiscreme zusammenkuschelt, scheint hinreichend verlogen, um mit ein paar Oscars belohnt zu werden.
 
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